Sonntag, der 22. Mai widmet sich den Themen Antiziganismus und Antisemitismus.

Folgende Veranstaltungen finden statt:


14.00 Uhr / Hörsaal 3 (Philosophicum, Uni Passau) / Bericht

Zeitzeugin Myriam Schütze / Münster

erzählt: Gegen das Gesetz  „…zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre…“

1945 entkam Myriam Schütze als Vierjährige dem KZ, weil die Bombardierung Dresdens dem Abtransport zuvor kam. Sie sagt: „Ich habe das Glück, nie Hass empfunden zu haben.“ Und berichtet davon, wie ihre Mutter mit ihr floh und freiwillig ins Internierungslager zu ihrem Mann ging, um die Familie zusammen zu halten.

Myriam Schütze will vor allem eines: Mut machen!

Zwei Zeitungsartikel über Myriam Schütze in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dem Dresdner Regionalteil der Bild.


14.00 Uhr / Hörsaal 4 (Philosophicum, Uni Passau)

Jonathan Mack / Politischer Referent / Zentralrat Deutscher Sinti und Roma / Heidelberg

Antiziganismus in Europa: Verfolgung von Sinti und Roma gestern und heute

Antiziganismus bezeichnet ein jahrhundertealtes soziales Phänomen der Mehrheitsgesellschaften in Europa, welches sich durch tradierte Vorurteile, Diskriminierung, institutionellen Rassismus und Verfolgung vor allem gegen Sinti und Roma richtet und seinen traurigen Höhepunkt im Holocaust an 500.000 Sinti und Roma fand. Antiziganismus steht aber nicht nur für den Rassismus des rechtsextremen Rands, für Hassverbrechen und Gewalt, für rechtsextreme Bürgerwehren, die in Ungarn und Tschechien aufmarschieren und Mitglieder der Minderheit bedrohen und terrorisieren, sowie für rechtspopulistische Parteien, welche antiziganistische Ressentiments als politisches Mittel zum Stimmengewinn nützen. Antiziganismus ist auch in der Mitte der Gesellschaft breit verankert: Die Segregation von Roma Kindern in Schulen ist in vielen Ländern so weit verbreitet, dass zum ersten Mal die Europäische Kommission in diesem Bereich ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Tschechien und die Slowakei eröffnete. In 2015 und 2016 fanden eine Vielzahl von gewaltsamen Zwangsräumungen statt, wobei Stadtverwaltungen ohne Konsultation und gesetzeskonformes Verfahren Roma-Familien die Häuser abriss und in die Obdachlosigkeit trieb. Der politische Diskurs über Flüchtlinge in Deutschland ist voll von antiziganistischen Vorurteilen. Der Vortrag zeigt die aktuellen Dimensionen und Auswirkungen des Antiziganismus in Europa auf und stellt den Widerstand und das politische Handeln der Sinti und Roma Selbstorganisationen in diesem Zusammenhang dar.

Jonathan Mack, Diplom der Politikwissenschaften der FU Berlin, beschäftigt sich als politischer Referent des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma vor allem mit antiziganistischen Vorfällen in ganz Europa und verfolgt die Anerkennung und Ächtung des Antiziganismus durch die Europäischen Union, durch OSZE-ODIHR und den Europarat. Von 2011 bis 2015 arbeitete er als Geschäftsführer beim internationalen Freiwilligendienstnetzwerk von Roma- und nicht-Roma Organisationen, Phiren Amenca, mit Sitz in Budapest und unterstützte zahlreiche Roma Jugendselbstorganisationen in ganz Europa durch das ternYpe International Roma Youth Network.


16.00 Uhr / Hörsaal 4 (Philosophicum, Uni Passau)

Mag. Christian Rabl 

“Wozu noch gedenken? Zur Gedenkkultur in Österreich von 1986 bis heute”

Christian Rabl berichtet über die Gedenkpolitik Österreichs und spannt einen Bogen von 1986, als das ehemalige SA-Mitglied Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt wurde, bis hin zur aktuellen Situation. Das Beispiel der Gedenkarbeit in St. Aegyd am Neuwalde bietet auch einen vergleichenden Blick auf Deutschland.


Mittwoch 25.05.

16.00 Uhr / Treffpunkt vor dem Café Duft / Theresienstraße / antisemitismuskritische Stadtführung

Stadfuchs Touren / Passau

Stadtführung: ‘Jüdisches Leben in Passau im Dritten Reich’

Die ca. einstündige Stadtführung bietet ein rückblickenden Einblick in das Leben jüdischer Pasauer*innen während der Zeit des Nationalsozialismus. Treffpunkt ist am Café Duft in der Theresienstraße um 16.00 Uhr, die Tour beginnt um 16.15 Uhr.’