Samstag, der 21. Mai, thematisiert Rassismus und (Post-/Neo-)Kolonialismus in 4 Vorträgen, 2 Filmen und einer Podiumsdiskussion um 18h. Ab 21.30h wirds nochmal aktiv: Kopfnicken oder Tanzen!

Wir freuen uns auf ein breites Spektrum an Themen, Vorträgen und Referent*innen sowie auf ein interessiertes und aktives Publikum!

euer team:fclr2016


12.00 Uhr / Hörsaal 3 (Philosophicum, Uni Passau) / Vortrag

Deutsche Kolonialgeschichte – deutsche Verantwortung?
In welcher Stadt fand 1884/85 die sog. ‚Kongo-Konferenz‘ statt? Von wem und an wem wurde der erste Genozid des 20. Jahrhunderts mit mehr als 75.000 Toten begangen? Und warum hieß die ‚Hererotraße‘ in München trotzdem bis 2007 ‚Von-Trotha-Straße‘? Keine gute Antwort parat? Dann nichts wie hin zum ersten Vortrag am fclr2016-Samstag!
Der Vortrag beleuchtet einzelne Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte und setzt sich mit ihrem Fortwirken bis heute auseinander.


12.00 Uhr / Hörsaal 4 (Philosophicum, Uni Passau) / Vortrag

Hamado Dipama / München

„Alltags- und Institutioneller Rassismus am Beispiel: Rassismus im Nachtleben!“
„Die Beklagte wird verurteilt, es zu unterlassen, dem Kläger aufgrund seiner (…) ethnischen Herkunft den Einlass in die Diskothek (…) zu verweigern.“
Als Kläger tritt hier Hamado Dipama auf, geboren in Burkina Faso und geflohen nach München. Was oft vermutet, aber zu selten juristisch behandelt wird, hat er bewiesen. Im Jahr 2013 verklagte er sechs Münchner Clubs, nachdem er nachwies, dass sie rassistische Eingangskontrollen durchführten und Menschen aufgrund ihres Aussehens den Zugang verwehrten. In diesem Vortrag spricht Hamado Dipama über diese Erfahrungen und über den Rassismus, dem er täglich in Deutschland begegnet.


14.00 Uhr / Hörsaal 3 (Philosophicum, Uni Passau) / Vortrag

Abdoulaye Ouattara / München

Thomas Sankara: Der Visionär und der Befreier
Von Thomas Sankara kann man heutzutage nur in Konditionalsätzen sprechen: Was wäre, wenn er überlebt hätte? Wäre Burkina Faso, Westafrika oder sogar Afrika heute ein Hort des Wohlstands und der Demokratie, befreit vom Neokolonialismus? Ohne Bedenken kann man diese letzte Frage positiv beantworten.

Thomas Sankara hat in seiner kurzen Amtszeit (1984 – 1987) eine Vielzahl grundlegender Reformen unternommen, die den „meisten“ burkinischen und afrikanischen Bürgern die Hoffnung gegeben hatten, endlich den Weg zur Befreiung, Unabhängigkeit, Selbstentwicklung und -bestimmung, Integrität und zum Wohlstand gefunden zu haben. Trotz seiner Ermordung am 15. Oktober 1987 bleibt sein Schatten bis heute im politischen Leben Burkina Fasos präsent. Sein Nachfolger, Blaise Compaoré, der alles unternahm, um eine Erinnerung an Thomas Sankara zu löschen, musste am 31. Oktober 2014 nach einem Volksaufstand abdanken. Das Volk, vor allem die Jugend, die Jahre lang den Geist und die Ideologie Sankaras in ihrem Herzen getragen hat und noch trägt, wollte einen neuen Wind. Im Nachhinein kann man sagen, dass Thomas Sankara dieses Machtende von Blaise Compaoré prophezeit hatte. Jugendliche, die zu der Amtszeit Thomas Sankaras noch nicht geboren waren, identifizieren sich mit ihm und schwärmen für ihn. Er lebt einfach weiter. Politiker inspirieren sich weiterhin von seinen Ideen, aber mit seiner Ermordung scheint der Traum von der Verwirklichung eines Idealstaats Burkina Faso für immer zerplatzt.

In seinem Vortrag wird Abdoulaye Ouattara von Thomas Sankaras Leben, seinen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Reformen und deren Einfluss auf das heutige politische Leben Burkina Fasos erzählen.

Abdoulaye Ouattara schloss 2012 ein Germanistikstudium an der Universität Ouagadougou in Burkina Faso ab. Im Rahmen seiner Magisterarbeit hatte er die Möglichkeit 2011 und 2012 an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz zu forschen. Nach seinem Abschluss unterrichtete er ein Jahr lang im Auftrag des Bundesprachenamtes burkinischen Soldaten, die eine militärische Ausbildung in Deutschland absolvieren mussten. Sein Masterstudium schloss er an der LMU in München ab, seitdem arbeitet er als Seminarleiter beim bfz in München und plant seine Promotion bei Prof. Dr. Jörg Roche an der LMU.


14.00 Uhr / Hörsaal 4 (Philosophicum, Uni Passau) / Vortrag

Katharina Oguntoye / Berlin

Black Survivors of the Holocaust“ (1997)
Wie waren in den 1930er Jahren die Lebensumstände Afro-Deutscher im nationalsozialistischen Deutschland? Dieser Frage widmet sich die BBC-Dokumentation von David Okuefuna und Moise Shewa. Für eine Einführung und Nachbesprechung des Films konnten wir die Berliner Historikerin und Autorin Katharina Oguntoye gewinnen.


16.00 Uhr / Hörsaal 3 (Philosophicum, Uni Passau) / Vortrag

Alia Sembol und Özge Pinar Sarp / NSU-watch / München, Berlin

NSU: Taten, Opfer, Aufklärung – was war da los?
NSU-watch ist eine unabhängige, bundesweit vernetzte Beobachtungsstelle, die den Münchener Prozess zu den Morden des Nationalsozialistischen Untergrundes detailliert und zweisprachig dokumentiert. Zudem werden Hintergründe und Fakten recherchiert und öffentlich zugänglich gemacht.
Özge Pinar Sarp und Alia Sembol von NSU-watch zeigen auf, wie der Terrorismus des NSU so lange unentdeckt bleiben konnte und wie die die Nazistrukturen von institutionellem Rassismus in Gesellschaft und Sicherheitsbehörden profitier(t)en.


16.00 Uhr / Hörsaal 4 (Philosophicum, Uni Passau) / Filmvorführung & Regisseurgespräch

Hauke Lorenz /  Digital- und Videojournalist, Ethnologe und Lateinamerikanist / Hamburg

„Migration in Mittelamerika: Film „Viacrucis Migrante“ mit Regisseurgespräch
„Ich bin kein Verbrecher, ich bin eine Person auf der Suche nach einer Zukunft, denn ich will meinen Kindern das Beste geben.“ – Alberto aus Honduras

Der Dokumentarfilmer und Lateinamerikanist Hauke Lorenz zeigt seinen Film „Viacrucis Migrante“. Der Film beleuchtet die Situation der Männer, Frauen und Kinder, die vor den existenziell bedrohlichen Verhältnissen in ihren Heimatländern Honduras, El Salvador und Guatemala Richtung Norden fliehen und dabei Menschen begegnen, die ihnen helfen wollen, das Martyrium der mindestens 1.700 Kilometer langen Reise Richtung USA zu überstehen.
Hauke Lorenz steht nach dem Film für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.


18.00 Uhr / Hörsaal 1 / Philosophicum, Uni Pasau / Podiumsdiskussion

mit:

Tahir Della / Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland / Berlin

Golschan Ahmad Haschemi / « ju:an » – Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit / Amadeu-Antonio-Stiftung

Medina Isljami / Aktionbündnis muslimische Frauen / Bamberg

Dr. Prasad Reddy, Ph.D. / Gründer und Geschäftsführer – Zentrum für soziale Inklusion, Migration und Teilhabe (ZSIMT) / Bonn

Moderation:

Sarah Bergh / Kulturpädagogin / München

Diversität Fehlanzeige? oder: Wie überwindet Deutschland sein Rassismusproblem?
In der Diskussion werden historische, vor allem aber aktuell vorherrschende Rassismen und diskriminierende Strukturen aufgezeigt und problematisiert. Warum bleiben Ausschluss-Mechanismen hartnäckig bestehen? In welchen Zusammenhängen werden sie sichtbar? Wer ist davon – auch vor dem Hintergrund intersektionaler Betrachtungen – betroffen? Neben diesen Fragestellungen wird es darum gehen, wie gesellschaftliches Diversitätsbewusstsein geschärft und eine zivil wirksame Partizipation auf den Weg gebracht werden kann.


21.30 Uhr / Location noch offen / Konzert / Einlass ab 21h

mit:

Special Guests & Turntables